Nicht-traditionelle Studierende zwischen Risikogruppe und akademischer Normalität Teil II

Eine empirische Untersuchung zum Studienerfolg und den Übergängen nach dem Bachelorstudium

Projektbeginn: 01.10.2016 - Projektende: 31.12.2019

Als "nicht-traditionelle Studierende" werden Personen bezeichnet, die ohne eine schulische Hochschulzugangsberechtigung aufgrund beruflicher Qualifikationen ein Studium aufnehmen. Diese Studierendengruppe hat in den letzten Jahren sowohl in der Hochschulforschung als auch bildungspolitisch an Aufmerksamkeit gewonnen. Das gewachsene Interesse an dieser Gruppe ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen:

  • auf den demographischen Wandel, den für die Zeit nach 2015 erwarteten Rückgang der Studiennachfrage und den befürchteten Fachkräftemangel im Bereich hochqualifizierter Arbeit ("Bedarfskompensation")
  • auf die ausgeprägten sozialen Disparitäten in der Beteiligung an Hochschulbildung ("Korrekturmechanismus")
  • die neue "outcome"-Orientierung, die dazu führt, die alte institutionelle Segmentierung zwischen allgemeiner und beruflicher Bildung durch eine - Kompetenzorientierung zu überwinden ("Durchlässigkeit")
  • schließlich auf das neue hochschulpolitische Interesse an "diversity", das auch die nicht-traditionellen Studierenden neben einer Vielzahl anderer Gruppen einschließt.

Das Vorhaben schließt an eine erste Untersuchungsphase an, in der es um die vorakademischen Werdegänge und die Studienverläufe nicht-traditioneller Studierender ging. Die Ergebnisse zeigen, dass nicht-traditionelle Studierende größere Schwierigkeiten beim Übergang an die Hochschule haben. Sie schließen jedoch rasch zu den traditionellen Studierenden auf, was ihren Studienfortschritt und die Studienleistungen betrifft. Zugleich zeigt sich eine etwas geringere Wahrscheinlichkeit, das Studium erfolgreich abzuschließen. Neben Leistungsproblemen spielen dafür auch Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Studium und familiären und beruflichen Verpflichtungen eine Rolle.

In der zweiten Untersuchungsphase stehen der Studienerfolg, gemessen an den Studiennoten, der Studiendauer und anderen Merkmalen des Studienverlaufs, sowie der Übergang nach dem Bachelorabschluss - in ein Masterstudium oder in eine Berufstätigkeit - im Zentrum des Interesses.

Der DZHW-Teil dieses Projektvorhabens, das erneut als Kooperationsprojekt mit der Humboldt Universität zu Berlin durchgeführt wird, basiert auf der Analyse der Daten der Studienanfängerkohorte des NEPS (Nationales Bildungspanel). Seit dem Wintersemester 2010/11 wird eine repräsentative Stichprobe von Studienanfänger*innen für das NEPS regelmäßig befragt, unter ihnen auch eine größere Gruppe nicht-traditioneller Studierender. Damit wird es erstmals möglich, die Bildungs- und Lebensverläufe nicht-traditioneller Studierender vor dem Studienbeginn, ihre Studienverläufe sowie die Übergänge nach dem ersten Studienabschluss und ihren späteren beruflichen Verbleib zu analysieren. Ein wichtiges Merkmal der NEPS-Daten besteht darin, dass ein direkter Vergleich der Studienverläufe nicht-traditioneller Studierender mit denen "traditioneller" Studierender, insbesondere solcher mit einer herkömmlichen schulischen Studienberechtigung (Abitur), möglich ist. Ergänzt werden die Auswertungen des NEPS durch umfassende Analysen hochschulstatistischer Daten sowie qualitative Interviews mit nicht-traditionellen Studierenden. Ziel des Projekts ist es, auf empirisch fundierter Basis Aussagen zu einem seit langer Zeit bildungspolitisch kontroversen Thema zu gewinnen, nämlich der Frage der (faktischen) Studierfähigkeit nicht-traditioneller Studierender.

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Publikationen

Studienerfolg nicht-traditioneller Studierender - Kriterien, Performanzen und Bedingungen.

Wolter, A.; Dahm, G.; Kamm, C.; Kerst, C., & Otto, A. (2019).
Studienerfolg nicht-traditioneller Studierender - Kriterien, Performanzen und Bedingungen. In B. Hemkes, K. Wilbers & M. Heister (Hrsg.), Durchlässigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung (S. 199-217). Bonn: BIBB.
ISBN 978-3-8474-2282-2 (P
Abstract

Der Studienerfolg nicht-traditioneller Studierender ist ein zentrales Thema in der Diskussion um die Öffnung des Hochschulzugangs. Der Beitrag stellt zunächst die Mehrdimensionalität des Begriffs Studienerfolg dar. Auf quantitativen und qualitativen Daten einer Längsschnittuntersuchung basierend wird dann die Performanz von nicht traditionellen Studierenden, zum Teil im Vergleich mit „traditionellen“ Studierenden, untersucht. Nicht traditionelle Studierende haben zwar ein erhöhtes Abbruchrisiko, erbringen jedoch nahezu identische Studienleistungen. Dargestellt werden die individuellen und institutionellen Bedingungen, unter denen nicht traditionelle Studierende ihr Studium erfolgreich durchführen (können).

Determinanten des Studienerfolgs nicht-traditioneller Studierender - zur Bedeutung der sozialen und akademischen Integration, der Lebensumstände und des Studienkontextes für die Studienabbruchneigung beruflich qualifizierter Studierender ohne Abitur.

Dahm, G., Becker, K., & Bornkessel, P. (2018).
Determinanten des Studienerfolgs nicht-traditioneller Studierender - zur Bedeutung der sozialen und akademischen Integration, der Lebensumstände und des Studienkontextes für die Studienabbruchneigung beruflich qualifizierter Studierender ohne Abitur. In P. Bornkessel (Hrsg.), Erfolg im Studium. Konzeptionen, Befunde und Desiderate (S. 108-174). Bielefeld: wbv.
Abstract

Auf Basis der Daten der 21. Sozialerhebung prüft der Beitrag die Annahme, dass für das Risiko eines Studienabbruchs nicht-traditioneller Studierender deren Lebensumstände eine größere Bedeutung haben als die soziale Integration im Studium. Die Ergebnisse eines Strukturgleichungsmodells zeigen, dass sowohl die erfolgreiche Studienintegration als auch die Studienfinanzierung für die Studienbindung dieser Studierendengruppe relevant sind. Elternschaft dagegen beeinflusst die Abbruchneigung weder direkt noch indirekt. Auch studienbegleitende Erwerbstätigkeit kann nicht pauschal als Risikofaktor bezeichnet werden. Der Beitrag diskutiert, wie diese und weitere Befunde mit Blick auf die weitere Forschung und die Praxis zu bewerten sind.

Ohne Abitur an der Hochschule - Studienstrategien und Studienerfolg von nicht-traditionellen Studierenden.

Dahm, G., Kamm, C., Kerst, C., Otto, A., & Wolter, A. (2018).
Ohne Abitur an der Hochschule - Studienstrategien und Studienerfolg von nicht-traditionellen Studierenden. In I. Buß, M. Erbsland, P. Rahn & P. Pohlenz (Hrsg.), Öffnung von Hochschulen. Impulse zur Weiterentwicklung von Studienangeboten (S. 157-186). Wiesbaden: Springer VS.
ISBN 978-3-658-20415-0

Nicht-traditionelle Studierende: Studienverlauf, Studienerfolg und Lernumwelten.

Wolter, A., Dahm, G., Kamm, C., Kerst, C., Otto, A. (2017).
Nicht-traditionelle Studierende: Studienverlauf, Studienerfolg und Lernumwelten. Hannover/Berlin (Dezember 2017).

Nicht-traditionelle Studierende: Bildungsbiografie, Studienübergang und erste Studienphase.

Wolter, A., Dahm, G., Kamm, C., Kerst, C., Otto, A. (2017).
Nicht-traditionelle Studierende: Bildungsbiografie, Studienübergang und erste Studienphase. Hannover/Berlin (Mai 2014).

Erfolgreich studieren ohne Abi? Ein mehrdimensionaler Vergleich des Studienerfolgs von nicht-traditionellen und traditionellen Studierenden.

Dahm, G., & Kerst, C. (2016).
Erfolgreich studieren ohne Abi? Ein mehrdimensionaler Vergleich des Studienerfolgs von nicht-traditionellen und traditionellen Studierenden. In A. Wolter, U. Banscherus & C. Kamm (Hrsg.), Zielgruppen Lebenslangen Lernens an Hochschulen. Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung des Bund-Länder-Wettbewerbs Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen (Bd. 1) (S. 225-265). Münster: Waxmann.
ISBN ISBN 978-3-8309-3373

Nicht-traditionelle Studierende in Deutschland: Werdegänge und Studienmotivation - Ergebnisse eines empirischen Forschungsprojektes.

Wolter, A., Dahm, G., Kamm, C., Kerst, C., & Otto, A. (2015).
Nicht-traditionelle Studierende in Deutschland: Werdegänge und Studienmotivation - Ergebnisse eines empirischen Forschungsprojektes. In U. Elsholz (Hrsg.), Beruflich Qualifizierte im Studium. Analysen und Konzepte zum Dritten Bildungsweg (S. 11-33). Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag.

"Stille Revolution?" Der Hochschulzugang für nicht-traditionelle Studierende im Umbruch.

Dahm, G., Kamm, C., Kerst, C., Otto, A., & Wolter, A. (2013).
"Stille Revolution?" Der Hochschulzugang für nicht-traditionelle Studierende im Umbruch. In Die Deutsche Schule (DDS), 105(4), 382-401.

Immer noch eine Ausnahme - nicht-traditionelle Studierende an deutschen Hochschulen.

Dahm, G., & Kerst, C. (2013).
Immer noch eine Ausnahme - nicht-traditionelle Studierende an deutschen Hochschulen. Zeitschrift für Beratung und Studium (ZBS), 8(2), 34-39.
Vorträge

Was beeinflusst die Studienabbruchneigung nicht-traditioneller Studierender? Zur Bedeutung der akademischen und sozialen Integration, der Lebensumstände und der Rahmenbedingungen des Studiums.

Dahm, G., Becker, K., & Bornkessel, P. (2019, Februar).
Was beeinflusst die Studienabbruchneigung nicht-traditioneller Studierender? Zur Bedeutung der akademischen und sozialen Integration, der Lebensumstände und der Rahmenbedingungen des Studiums. Vortrag auf der 7. Jahrestagung der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung (GEBF), Universität Köln.

Studienerfolg "nicht-traditioneller" Studierender.

Kerst, C. (2018, September).
Studienerfolg "nicht-traditioneller" Studierender. Vortrag auf dem Workshop "Angewandte Hochschulforschung" der Technischen Hochschulen Nürnberg Georg Simon Ohm.

Erklärung der Studienabbruchintention beruflich qualifizierter Studierender ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung.

Dahm, G., Becker, K., & Bornkessel, P. (2018, September).
Erklärung der Studienabbruchintention beruflich qualifizierter Studierender ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung. Vortrag auf der Tagung zur 21. Sozialerhebung "Vielfalt und Implikationen studentischer Lebenslagen"; DZHW; Hannover, Schloss Herrenhausen.

Studienerfolg und Studienstrategien nicht-traditioneller Studierender.

Otto, A., & Dahm, G. (2016, September).
Studienerfolg und Studienstrategien nicht-traditioneller Studierender. Vortrag auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium (DGWF) an der Universität Wien.

Der Einfluss von Brückenkursen auf die Studienleistungen von nicht-traditionellen Studierenden - zur Wirksamkeit propädeutischer Angebote beim Umgang von Hochschulen mit heterogenen Lernausgangslagen.

Dahm, G. (2015, März).
Der Einfluss von Brückenkursen auf die Studienleistungen von nicht-traditionellen Studierenden - zur Wirksamkeit propädeutischer Angebote beim Umgang von Hochschulen mit heterogenen Lernausgangslagen. Vortrag auf der 3. Tagung der Gesellschaft für empirische Bildungsforschung (GEBF) an der Ruhr-Universität Bochum.

Hochschulübergang und Studienbedingungen aus der Perspektive nicht-traditioneller Studierender.

Otto, A., & Dahm, G. (2014, September).
Hochschulübergang und Studienbedingungen aus der Perspektive nicht-traditioneller Studierender. Vortrag auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium (DGWF) an der Universität Hamburg.

Nicht-traditionelle Studierende zwischen Risikogruppe und akademischer Normalität.

Dahm, G., & Kamm, C. (2014, Juli).
Nicht-traditionelle Studierende zwischen Risikogruppe und akademischer Normalität. Vortrag auf dem Arbeitstreffen des "Bildungsclusters" der Hans-Böckler-Stiftung in Hannover.

Wie gelingt nicht-traditionellen Studierenden der Übergang ins Studium? Erste Ergebnisse der NEPS-Studienanfänger(innen)-Befragung.

Dahm, G. (2013, September).
Wie gelingt nicht-traditionellen Studierenden der Übergang ins Studium? Erste Ergebnisse der NEPS-Studienanfänger(innen)-Befragung. Vortrag auf der Fachtagung "Studium ohne Abitur: Studium und Berufsverlauf nicht-traditioneller Studierender" an der Universität Hamburg.

Projektleitung

Christian Kerst
Dr. Christian Kerst Projektleitung 0511 450670-141

Projektmitarbeit

Gunther Dahm

Externe Ansprechpartner*innen

Prof. Dr. Andrä Wolter, Humboldt-Universität zu Berlin

Pressekontakt

Daniel Matthes
Daniel Matthes 0511 450670-532
Zum Pressebereich

Auftraggeber

Bundeministerium für Bildung und Forschung

Kooperationspartner

Institut für Erziehungswissenschaften HU Berlin