DZHW Brief: Studium bleibt finanziell attraktiv – jedoch gehen Bildungsrenditen seit 2015 zurück
30.7.2026
Ein Hochschulstudium lohnt sich finanziell auch heute noch. Allerdings haben sich die mittleren Einkommensvorteile gegenüber einer beruflichen Ausbildung in den vergangenen Jahren verringert. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle DZHW Brief von Jessica Ordemann und Friedhelm Pfeiffer. Die Autor*innen untersuchen die Entwicklung der Bildungsrenditen in Deutschland zwischen 2000 und 2023. Dabei richten sie ihren Blick auf die Gruppe der jüngeren Erwerbstätigen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren, in der die Akademisierung im betrachteten Zeitraum stark vorangeschritten ist.
Hannover, 30.07.2026 Die Analysen zeigen: Während die Lohnvorteile akademischer Abschlüsse in der untersuchten Gruppe der Erwerbstätigen bis etwa 2015 kontinuierlich zunahmen, ist seitdem eine Trendwende zu beobachten. Die Einkommensunterschiede zwischen akademisch und beruflich Qualifizierten gehen zurück. Dennoch erzielen Hochschulabsolvent*innen im Durchschnitt weiterhin höhere Stundenlöhne als Personen mit einer beruflichen Ausbildung. „Die Ergebnisse zeigen, dass sich ein Studium trotz der zunehmenden Akademisierung weiterhin finanziell auszahlt. Gleichzeitig gewinnt die berufliche Bildung wieder an Attraktivität“, erklärt Jessica Ordemann, Mitautorin und tätig am DZWH.
Akademisierung verändert den Arbeitsmarkt
Seit der Jahrtausendwende hat sich der Anteil der Hochschulabsolvent*innen unter den 30- bis un-ter 40-Jährigen nahezu verdoppelt. Besonders stark ist der Zuwachs bei Abschlüssen an Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Gleichzeitig ist der Anteil der Personen mit ausschließlich beruflicher Ausbildung deutlich zurückgegangen.
Diese starke Akademisierung zusammen mit dem sich aufstauenden Fachkräftemangel erhöhte ab 2015 den Wettbewerb unter den akademisch gebildeten Fachkräften so sehr, dass es zur Trendumkehr der Lohnabstände gekommen ist. Dabei spielen die gewählten Studienfachrichtungen auch eine Rolle. „Unsere Studien deuten darauf hin, dass sich im beobachteten Zeitraum der Lohnwettbewerb in der Gruppe der Absolvent*innen der Geistes- und Sozialwissenschaften verschärft hat, einer Fachrichtung, die stärker als die Natur- und Ingenieurwissenschaften zur Akademisierung beigetragen hat“, so Mitautor Friedhelm Pfeiffer vom ZEW Mannheim.
Arbeitszeit beeinflusst Einkommensunterschiede
Neben den Stundenlöhnen spielt auch die Arbeitszeit eine wichtige Rolle für das Einkommen aus einer Erwerbstätigkeit nach einem erfolgreich absolvierten Studium. Unterschiede im Monatseinkommen lassen sich daher nicht allein durch unterschiedliche Stundenlöhne erklären, sondern auch durch die jeweils geleistete Arbeitszeit. Die Untersuchung zeigt, dass sich die durchschnittlichen Arbeitszeiten von Frauen und Männern in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich angenähert haben und dieser Trend zur Reduktion der Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern beigetragen hat.
Orientierung für Bildungsentscheidungen
Die Autor*innen betonen, dass Bildungsentscheidungen langfristige Investitionen sind, deren Erträge von der Entwicklung des Arbeitsmarktes abhängen. Durchschnittliche Bildungsrenditen können Studienberechtigten deshalb eine wichtige Orientierung bieten, ersetzen aber keine individuelle Abwägung.
Für die Bildungspolitik sehen Ordemann und Pfeiffer die Herausforderung darin, Studieninteressierten und beruflich Qualifizierten transparente Informationen über die langfristigen Chancen ver-schiedener Bildungswege bereitzustellen. „Dazu gehören neben den durchschnittlichen Einkommensaussichten künftig auch stärker fachspezifische Analysen“, so Jessica Ordemann vom DZHW.
Studium lohnt sich weiterhin
Insgesamt bestätigt die Studie: Die Einkommensvorteile eines Studiums sind zwar seit 2015 kleiner geworden, sie bestehen aber weiterhin. Hochschulabsolvent*innen erzielen im Durchschnitt höhere Einkommen als Personen mit einer beruflichen Ausbildung. Gleichzeitig steigt die Attraktivität beruflicher Bildungswege angesichts der hohen Nachfrage nach Fachkräften.
Die Publikation finden Sie hier: https://doi.org/10.34878/2026.04.dzhw_brief
Hier geht es zum Video: https://youtu.be/rZEmqyt21mY
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