Bildungsbericht 2026: Hochschulen im Umbruch – demografische Entwicklung und soziale Ungleichheit im Fokus

15.6.2026

Das deutsche Hochschulsystem befindet sich weiterhin in einem tiefgreifenden Wandel. Das zeigt das Hochschulkapitel des aktuellen Bildungsberichts, das vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) verfasst wurde. Im Mittelpunkt stehen Entwicklungen rund um Studiennachfrage, soziale Ungleichheiten beim Hochschulzugang, die zunehmende Ausdifferenzierung des Studienangebots sowie die Folgen des demografischen Wandels für die Hochschulen.

Hannover, 15.06.2026. Deutschland hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen deutlichen Akademisierungsschub erlebt. Heute nehmen mehr als vier von zehn jungen Erwachsenen ein Studium auf. Gleichzeitig ist das Hochschulsystem deutlich vielfältiger geworden: Mehr als 420 Hochschulen bieten inzwischen über 22.400 Studiengänge an. Neben klassischen Präsenzstudiengängen gewinnen alternative Studienformate wie Fern-, Teilzeit- und duale Studienangebote zunehmend an Bedeutung. Dabei fällt jedoch auf: Es sind häufig einzelne Hochschulen, die sich mit hoch spezialisierten Angeboten sehr gezielt an Studierende mit flexiblen Studienbedarfen richten. 87 Prozent aller Fernstudierenden in Deutschland verteilen sich auf gerade einmal 20 Hochschulen. Häufig handelt es sich dabei um private Hochschulen.

Im Fachhochschulbereich entscheidet sich inzwischen jede*r vierte Studienanfänger*in für ein Studium an einer privaten Hochschule. Bezogen auf alle Studienbeginnende ist es mehr als jede*r achte. Private Hochschulen haben ihr Angebot in den vergangenen Jahren stark ausgebaut und reagieren häufig gezielt auf Bedarfe berufstätiger und beruflich qualifizierter Studierender. Gleichzeitig verweist der Bildungsbericht darauf, dass viele steuerungsrelevante Fragen zur Qualität, Finanzierung und Anschlussfähigkeit privater Hochschulabschlüsse bislang noch nicht ausreichend erforscht sind.

Ein Schwerpunkt des diesjährigen Bildungsberichts liegt auf sozialer Ungleichheit im Bildungssystem. Trotz der starken Expansion der Hochschulbildung bleibt der Zugang zum Studium in Deutschland weiterhin eng mit der sozialen Herkunft verbunden. Während 78 von 100 Kindern aus Akademiker*innen-familien im Laufe ihres Lebens ein Studium aufnehmen, gilt dies nur für 25 von 100 Kindern, deren Eltern nicht studiert haben. Besonders niedrig ist die Studierwahrscheinlichkeit bei Kindern von Eltern ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Von ihnen nehmen nur acht von 100 ein Studium auf.

Der Bericht zeigt zugleich, dass diese Unterschiede heute weniger auf Leistungsunterschieden beruhen als auf unterschiedlichen Bildungsentscheidungen und Informationsständen. Wissenschaftliche Interventionsstudien aus Berlin und Nordrhein-Westfalen belegen, dass bereits niedrigschwellige Informations- und Beratungsangebote die Studierwahrscheinlichkeit deutlich erhöhen können.

Auch finanzielle Faktoren bleiben ein zentrales Hindernis. Viele anspruchsberechtigte Studierende beantragen trotz möglicher Förderung kein BAföG – häufig aus Unsicherheit über die Regelungen oder aus Sorge vor Verschuldung. Studien zeigen, dass verständlich aufbereitete Informationen hier bereits er-hebliche Verbesserungen bewirken können.

Mit Blick auf die kommenden Jahre verweist der Bildungsbericht auf neue Herausforderungen für das Hochschulsystem. Nach Jahrzehnten starken Wachstums ist die inländische Studiennachfrage inzwischen rückläufig. Ohne internationale Studierende hätten insbesondere Universitäten bereits deutlich stärkere Rückgänge zu verzeichnen. Gleichzeitig steigen die Studienzeiten weiter an, während immer weniger Studierende ihr Studium innerhalb der Regelstudienzeit abschließen.

Der Bildungsbericht macht deutlich: Das deutsche Hochschulsystem steht vor der Aufgabe, sich unter Bedingungen des demografischen Wandels, wachsender sozialer Ungleichheiten und einer immer stärkeren Ausdifferenzierung des Bildungsangebots neu auszurichten.

Hier geht es zum Bildungsbericht: www.bildungsbericht.de

Über den nationalen Bildungsbericht:

Der nationale Bildungsbericht „Bildung in Deutschland“ wird von einer unabhängigen Gruppe von Wissenschaftler*innen erstellt, die folgende Einrichtungen vertreten: Das DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (Federführung), das Deutsche Institut für Erwachsenenbil-dung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen (DIE), das Deutsche Jugendinstitut (DJI), das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi), das Soziologische Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) an der Georg-August-Universität sowie die Statistischen Ämter des Bundes (StBA) und der Länder (vertreten durch das Hessische Statistische Landesamt). Die Kultusministerkonferenz (KMK) und das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) fördern die Erarbeitung des Berichts.

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