In der deutschen Wissenschafts- und Hochschullandschaft wird derzeit intensiv über Reformen und Strukturanpassungen im Bereich von Personal- und Organisationsstrukturen diskutiert. Hintergrund ist unter anderem die Befristungs- und Beschäftigungspraxis im deutschen Wissenschaftssystem, die aus Sicht vieler Akteure die Entwicklung innovativer Personalstrukturen erforderlich macht. Neben Beschäftigungsbedingungen und Personalentwicklungskonzepten rücken dabei sowohl wissenschaftliche Stellenprofile als auch wissenschaftsnahe, nicht auf wissenschaftliche Qualifikation ausgerichtete Stellenprofile in den Blick. Das 2025 vom Wissenschaftsrat zur Diskussion gestellte Personalstrukturmodell mit einer Differenzierung zwischen vier Stellenkategorien (S1 bis S4) setzt hierfür einen wichtigen Impuls. Bislang fehlt jedoch eine systematische Erfassung der Ausrichtung, Umsetzung und Wirkungen laufender Reformmaßnahmen zur Gestaltung von Personalstrukturen und Personalgewinnung.
Zugleich besteht auf Seiten der Hochschulen und der Hochschulpolitik ein erheblicher, jedoch bislang nicht ausreichend gedeckter Informationsbedarf zu den Möglichkeiten, solche Stellenprofile als Dauerstellen auszugestalten. Zu innovativen Organisations- und Personalstrukturen für Dauerstellen liegen bislang keine systematisch erhobenen, empirischen Untersuchungsergebnisse vor. Die Debatte ist vielmehr durch Modellvorschläge geprägt; eine wiederkehrende Forderung betrifft dabei die Einführung von Departmentstrukturen. Diese Erkenntnislücke will das Projekt "Akademische Dauerstellen an Hochschulen: Profile, Auswahlverfahren, Personal- und Organisationsstrukturen im Wandel (AkaDa)" schließen. Zugleich sollen Wege und Rahmenbedingungen aufgezeigt werden, die zu einer auf die Bedarfe der jeweiligen Hochschule angepassten Umsetzung der Empfehlungen des Wissenschaftsrates beitragen können.
Hierfür können unter anderem Studien herangezogen werden, welche die Auswahl von Professor*innen untersuchen. Themen in diesem Kontext sind beispielsweise differenzierte Auswahlkriterien an Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften, Laufbahntypen auf dem Weg zur Lebenszeitprofessur, Selektionsfaktoren in einzelnen Fächern, die Bedeutung von Geschlechterdifferenzen oder die Relevanz der sozialen Herkunft. Diese Aspekte stehen beispielhaft für eine vielfältige Studien- und Befundlage, die in angepasster Form für die Beantwortung der Fragen des Projekts AkaDa herangezogen werden können.
Vor diesem Hintergrund untersucht AkaDa Dauerstellen neben und unterhalb der Professur untersucht. Gemeint sind insbesondere unbefristete wissenschaftliche und wissenschaftsnahe Beschäftigungsverhältnisse, die dauerhafte Tätigkeiten an Hochschulen ermöglichen, ohne auf eine Lebenszeitprofessur ausgerichtet zu sein. Ziel der explorativ angelegten Studie AkaDa ist es, Erkenntnisse zum aktuellen Ausbaustand sowie zur Einrichtung, Planung und Besetzung akademischer Dauerstellen, zu ihrer Verbreitung und zu ihrer personalstrukturellen und organisationalen Einbettung zu generieren. Konkret geht das Projekt vier zentralen Fragestellungen nach:
- Wie hat sich an deutschen Hochschulen in staatlicher Trägerschaft der Anteil wissenschaftlicher und wissenschaftsnaher Stellen, die gemäß der Kategorisierung des Wissenschaftsrats als Dauerstellen zu verstehen sind, quantitativ entwickelt?
- Welche innovativen bzw. neuartigen Ansätze für Dauerstellen lassen sich in institutionenbezogenen Personalstrukturkonzepten und Organisationsstrukturen identifizieren, und wie wird dabei zwischen institutionellen Daueraufgaben und Qualifikationsaufgaben differenziert?
- Wie sind sowohl kriteriengeleitete als auch kompetitive Auswahlverfahren für akademische Dauerstellen konkret ausgestaltet?
- Wie erfolgt in der Praxis die Zuordnung von Daueraufgaben zu Dauerstellen?
Die Bearbeitung dieser Fragestellungen erfolgt anhand von Fallanalysen an ausgewählten Hochschulen.
