Die Wege zur Professur befinden sich in Deutschland seit einigen Jahren im Umbruch. Mit dem bundesweiten Tenure-Track-Programm, aber auch der Einführung der Juniorprofessur im Jahr 2002 wurden die Wege zur Professur nachhaltig verändert. Erklärtes Ziel der Reformen: Karrierewege in der Wissenschaft sollen planbarer und transparenter werden.
Wie aber verlaufen wissenschaftliche Karrieren bis zur Professur und wie gestalten sich die Arbeits- und Lebensbedingungen von Professor*innen in Deutschland? Darüber ist bisher wenig bekannt. Denn für Deutschland gibt es keine fundierte Datenbasis, mit der sich die Karrieren und beruflichen Situationen von Professor*innen umfassend abbilden und untersuchen lassen. Das prof*panel wurde ursprünglich im Rahmen der Forschungsgruppe „Tenure-Track“ am DZHW aufgebaut. Ziel war es, erstmals eine bundesweite Datenbasis zu schaffen, mit der professorale Karrieren in ihrer heutigen Vielfalt erforschbar werden. Seit dem Abschluss der Forschungsgruppe wird das prof*panel als eigenständige Panelstudie am DZHW fortgeführt.
In einem längsschnittlichen Design, das heißt mit regelmäßigen Follow-Up-Befragungen, werden Professor*innen aus ganz Deutschland zu ihrem Karriereverlauf sowie ihrer beruflichen und persönlichen Situation befragt. Damit ist das prof*panel die erste und einzige bundesweite Panel-Studie für Professor*innen in Deutschland und ermöglicht es, Entwicklungen über einen längeren Zeitraum hinweg zu beobachten.
Wer wird befragt?
Das prof*panel konzentriert sich auf die Befragung von Professor*innen an deutschen Universitäten. Das Sampling der Kontaktpersonen erfolgte auf Basis des Hochschullehrerverzeichnisses des Deutschen Hochschulverbands.
Neben Lebenszeitprofessor*innen wurden auch Tenure Track- und Juniorprofessor*innen zur Befragung eingeladen. Dies ermöglicht Aussagen darüber, wie sich diese für Deutschland noch vergleichsweise jungen und neu etablierten Professurtypen in das Gesamtgefüge professoraler Statuspositionen und Karrierewege einfügen. Ebenfalls wurden Professor*innen auf Zeit / auf Probe, Stiftungsprofessor*innen und S-Professor*innen zur Befragung eingeladen.
Wozu werden Teilnehmer*innen befragt?
Seit dem Start des prof*panel wurden bereits drei Befragungswellen durchgeführt. Dabei verfolgt die Studie das Ziel, sowohl Entwicklungen im Zeitverlauf abzubilden als auch aktuelle Fragestellungen des Wissenschaftssystems aufzugreifen. Hierfür werden in allen Wellen zentrale Themen wiederholt erhoben, während einzelne Befragungen durch spezifische Themenschwerpunkte ergänzt werden.
Zu den wiederkehrenden Themen gehören unter anderem die berufliche Situation, wissenschaftliche Leistungen, Arbeitsbedingungen und Ressourcen, aber auch die familiäre Situation. In der ersten Befragung des prof*panel im Sommer 2022 stand insbesondere die Erhebung zentraler Basisinformationen wie grundlegenden soziodemografischen Merkmalen im Mittelpunkt. Neben der aktuellen beruflichen Position wurde der bisherige Werdegang und der Weg zur Professur detailliert erfasst. In den folgenden Wellen wurden darüber hinaus zusätzliche Schwerpunkte gesetzt, beispielsweise zu Kreativität, Persönlichkeitsmerkmalen, Gesundheit und Erfahrungen mit Machtmissbrauch im Wissenschaftssystem.
Durch die Kombination aus längsschnittlichem Design, einem breiten Themenspektrum und einer bundesweiten Stichprobe über alle Fächer und Professurtypen hinweg ermöglicht das prof*panel erstmals umfassende Analysen der Universitätsprofessor*innenschaft in Deutschland und schafft damit eine wichtige Grundlage für die Forschung zu akademischen Karrieren, Arbeitsbedingungen und dem Wandel des Wissenschaftssystems.
