In vielen Staaten der Welt wird die Freiheit der Wissenschaft gesetzlich geschützt und gesellschaftlich unterstützt. Angesichts veränderter medialer und gesellschaftlicher Bedingungen, kontroverser Debatten um die Rolle von Wissenschaft und Forschung in Krisenzeiten und verstärkt durch gesellschaftliche Konflikte kommt die Frage auf, ob und inwiefern Wissenschaft und Forschung in Teilen eingeschränkt oder sogar angegriffen wird. Häufig fehlt es in der Debatte noch an genaueren empirischen Erkenntnissen über Formen, Ausmaß und Effekte von Angriffen und Konflikten.
Ziel des Projekts ist es vor diesem Hintergrund, Erkenntnisse über relevante Akteure und Treiber von Bedrohungen und Einschränkungen zu identifizieren, kontextspezifische Einsichten über Bedrohungs- und Einschränkungsprofile zu gewinnen, Auslöser sowie Formen des Umgangs mit kontroversen Themen zu verstehen sowie Möglichkeiten für den Austausch zur Forschung rund um das Thema Konflikte in Wissenschaft und Hochschule zu bieten.
Dazu werden bestehende Datenquellen des DZHW für vertiefte Analysen genutzt und wissenschaftliche Expertise internationaler Partner*innen eingebunden. Das Projekt zeichnet sich durch zwei Perspektiven auf Konflikte in Wissenschaft und Hochschulen aus. Zum einen wird untersucht, inwieweit Wissenschaft und Forschung Gegenstand von Angriffen von außen wird. Hier stellt sich insbesondere die Frage, welche Fächer und Gruppen besonders betroffen sind. In einer zweiten Perspektive wird untersucht, wie Konflikte an Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen ausgehandelt werden.
Das Projekt ist in vier Arbeitspakete gegliedert: Im ersten Arbeitspaket werden Treiber und Akteure von Konflikten untersucht. Welche Akteure würdigen Forschende herab und lösen berufliche Probleme aus? Und welche Bedingungen begünstigen eine Eskalation oder Beschleunigung von Konflikten? In Arbeitspaket 2 werden die Kontexte und Erfahrungen von Konflikten genauer untersucht. Wie verlaufen Konflikte und Anfeindungen? Welche Fallkonstellationen zeigen sich? Hierbei wird insbesondere auf qualitatives Datenmaterial und Interviews eingegangen. In Arbeitspaket 3 werden Inhalte von Konflikten untersucht. Welche Themen sind in besonderer Weise mit Konflikten und Anfeindungen verbunden? Arbeitspaket 4 dient schließlich dazu, die Ergebnisse der Forschung in den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs einzuspeisen. Hierfür sollen zum einen Daten kuratiert für die wissenschaftliche Community aufbereitet und zur Verfügung gestellt werden. Zum anderen sollen gemeinsam mit Stakeholdern aus Wissenschaftsmanagement, Forschung und Politik Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Konflikten und Anfeindungen erarbeitet werden.
Das Projekt möchte damit einen Beitrag zur Erforschung von Konflikten in Hochschule und Wissenschaft leisten und der Wissenschafts- und Hochschulforschung wichtige Datengrundlagen für informierte Debatten zur Verfügung stellen.
