GECO: Digital gegen Corona?

Bedeutung und Wandel des informationsbasierten Wissenschaftsmanagements in Krisenzeiten am Beispiel institutioneller Forschungsinformationssysteme

Projektbeginn: 01.03.2021 - Projektende: 31.10.2022

Die wissenschaftliche Politikberatung nimmt in Zeiten der durch SARS-CoV-2 ausgelösten Gesundheitskrise einen herausragenden Stellenwert ein. Es entstehen kurzfristig zahlreiche neue Möglichkeiten der Förderung von Forschungsprojekten und von Kooperationen zur Erforschung des neuartigen Coronavirus und Entwicklung von Gegenmaßnahmen. Der Anwendungsdruck wirkt sich auch auf die wissenschaftliche Wissensproduktion und Kommunikation selbst aus: Forschungs- und Kommunikationsprozesse beschleunigen sich, mehr Studien werden in kürzerer Zeit in Form von Pre-Prints veröffentlicht, Zeitschriftenverlage stellen Inhalte kostenfrei via Open Access zur Verfügung. In diesem Kontext unterliegt die Forschungsberichterstattung und -dokumentation zusätzlichen Herausforderungen hinsichtlich der Erhebung und Analyse von Forschungsinformationen: Für die Suche nach Expert*innen und Themen, für die Gewinnung von Kollaborationspartner*innen und die Akquise von Projekten sowie für die zeitnahe Information zu (Zwischen-)Ergebnissen der Corona-Forschung müssen Forschungsinformationen ad hoc und quasi in „Echtzeit“ vorliegen. Zudem gewinnt die Außendarstellung von Forschung eine verstärkte Relevanz.

Es ist zu vermuten, dass in (Krisen-)Zeiten des enormen Bedarfs nach wissenschaftlicher Expertise intelligente, algorithmengesteuerte und zunehmend automatisierte Verfahren der Informationssuche und -bereitstellung an Bedeutung gewinnen werden, welche die Suche nach Expert*innen, Themen und Ergebnissen beschleunigen und vereinfachen.

Vor diesem Hintergrund fragt das Ergänzungsvorhaben GECO, ob und wie sich Informationsangebot und - nachfrage in der Forschungsberichterstattung in "Corona-Zeiten" verändern, ob und wie sich die Anbieter von Forschungsinformationssystemen daran anpassen, neue oder veränderte Nutzungsszenarien sowie Funktionalitäten entwickeln und ob sich hierdurch eine Schwerpunktverlagerung im Aufgabenfeld der digital gestützten Forschungsberichterstattung abzeichnet.

Das Projekt ist in drei Erweiterungen der Arbeitspakete des übergreifenden Projektvorhabens BERTI sowie zwei neue Arbeitspakete unterteilt.

Im Rahmen der Erweiterung der in den ethnographischen Fallstudien eingesetzten Experteninterviews werden Fragen zu pandemiebezogenen Berichtserfordernissen, neuen Nutzungsszenarien von Forschungsinformationssystemen (FIS) sowie Anforderungen an Forschungsinformationen im Pandemiekontext ergänzt. Der Onlineerhebung unter deutschen FIS-Projektleiter*innen bzw. mit der Qualitätssicherung und Forschungsplanung betrauten Referent*innen folgt eine kurze Folgebefragung zu Informationsbedarfen und neuen Anwendungsperspektiven.

In einem neuen Arbeitspaket wird eine Fokusgruppe organisiert, welche sich aus Entwickler*innen von kommerziellen oder Open-Source FIS zusammensetzt. Sie wird potentielle FIS-Produktentwicklungen und Anpassungen von Funktionalitäten während der Krise, wie Verknüpfungen zu den spezialisierten Covid-Literaturdatenbanken vor dem Hintergrund neuer oder veränderter Informationsbedarfe der Nutzer*innen langfristigen Perspektiven der Algorithmisierung und Automatisierung gegenüberstellen.

Ein weiteres Arbeitspaket befasst sich mit der Außendarstellung coronabezogener Forschung. Hierbei sollen mittels Dokumentenanalyse Inhalte von Forschungsportalen und Pressemitteilungen, die mit FIS verknüpft sind, untersucht werden. In einer Interviewstudie werden Verantwortliche der Öffentlichkeitsarbeit ausgewählter Einrichtungen zu ihren Kriterien der Informationsbereitstellung sowie zu coronabedingten Veränderungen befragt.

Ansprechperson

Sabrina Petersohn
Dr. Sabrina Petersohn 030 2064177-33

Projektmitarbeit

Dr. Stefan Schelske Christoph Thiedig

Gefördert von

Bundesministerium für Bildung und Forschung