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Viele Wege führen zur Lebenszeitprofessur

26.10.2026

Neue Studie in Quantitative Science Studies mit Daten des DZHW prof*panels identifiziert vier typische Karrierewege zur Professur: Traditionelle Laufbahnen bleiben prägend, alternative Wege gewinnen an Bedeutung.

Hannover, 26.10.2026. Der Weg zur Lebenszeitprofessur in Deutschland ist vielfältiger geworden. Eine neue Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) zeigt, dass neben dem traditionellen Karriereweg über lange akademische Qualifizierungsphasen und die Habilitation zunehmend weitere Wege zur Professur führen. Auf Grundlage von 660 vollständigen Karriereverläufen von Universitätsprofessor*innen identifizieren die Autorinnen vier typische Laufbahntypen: traditionelle, effiziente, unkonventionelle und international geprägte Karrierewege.

Der traditionelle Karriereweg ist weiterhin besonders verbreitet. Er zeichnet sich durch eine lange Post-doc-Phase innerhalb der deutschen Wissenschaft und häufig durch die Habilitation aus. Zwischen Promotion und erster Lebenszeitprofessur liegen auf diesem Weg typischerweise rund 13 Jahre. Daneben gibt es einen effizienteren Karriereweg , der durch kürzere Qualifizierungsphasen und eine geringere Bedeutung der Habilitation gekennzeichnet ist.

Besonders schnell führt der unkonventionelle Karriereweg zur Professur. Er umfasst durchschnittlich rund sieben Jahre von der Promotion bis zur ersten Lebenszeitprofessur und schließt unter anderem Junior- und Tenure-Track-Professuren sowie längere berufliche Tätigkeiten außerhalb der Hochschule ein. Auffällig ist, dass dieser Karriereweg zugleich den höchsten Frauenanteil aufweist und durch vielfältigere berufliche Erfahrungen geprägt ist.

Ein vierter Typus sind international geprägte Karrieren , bei denen ein großer Teil des beruflichen Weges außerhalb Deutschlands stattfindet. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass Faktoren wie die Dauer bis zur Professur, eine Habilitation, Auslandserfahrungen und die jeweilige Fachdisziplin mit den unterschiedlichen Karriereverläufen zusammenhängen.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass erfolgreiche wissenschaftliche Karrieren heute sehr unterschiedlich verlaufen können“, sagt Erstautorin Jasmin M. Kizilirmak. „Der traditionelle Weg bleibt wichtig, wird aber zunehmend durch alternative Karrierepfade ergänzt.“

Die Studie macht zugleich deutlich, dass sich die etablierten Strukturen trotz neuer Karrierewege bislang nicht grundlegend verändert haben. „Traditionelle Laufbahnen spielen weiterhin eine zentrale Rolle, während Internationalisierung und neue Karriereinstrumente wie Juniorprofessur und Tenure Track an Bedeutung gewinnen“, ergänzt Jessica Ordemann, Co-Autorin der Studie. Damit bewegt sich das deutsche Wissenschaftssystem zwischen traditionellen Qualifikationswegen und zunehmend vielfältigen Karrierebiografien. „Lückenlose Karriereverläufe zwischen Promotion und erster Lebenszeitprofessur liegen für Deutschland bisher nicht vor. Dass sich Laufbahntypen empirisch bestimmen und nicht nur vermuten lassen, verdanken wir dem prof*panel des DZHW“, so Ordemann weiter.

Eine ergänzende Auswertung von Claudia Begemann im aktuellen DZHW Brief verweist zudem auf die Bedeutung der Bildungsherkunft: Rund zwei Drittel der untersuchten Professor*innen stammen aus einem akademischen Elternhaus.

Zur Studie

Für die Untersuchung wurden Daten der ersten Welle der DZHW-Professorinnen-Befragung (prof*panel) ausgewertet. Das prof*panel untersucht seit 2022 die Karrierewege und Arbeitsbedingungen von Universitätsprofessorinnen in Deutschland. Für die vorliegende Analyse standen vollständige Karriereverläufe von 660 Professor*innen zwischen Promotion und erster Lebenszeitprofessur zur Verfügung. Die Laufbahntypen wurden mithilfe einer Sequenz-Cluster-Analyse identifiziert.

Publikation

Kizilirmak, J. M., Steinkampf, L.-M., Buchholz, S., & Ordemann, J. (2026). Beyond tradition: Successful career paths to full professorship. Quantitative Science Studies, 1–46. https://doi.org/10.1162/QSS.a.495

Begleitender DZHW-Brief:

Kizilirmak, J. M., & Begemann, C. (2026). Ein Titel, viele Wege: Die Vielfalt der Laufbahntypen in die Lebenszeitprofessur (Nos. 03, 2026; Version 1.0) [Application/pdf]. German Centre for Higher Education Research and Science Studies. https://doi.org/10.34878/2026.03.dzhw_brief

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