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DZHW-Studienberechtigtenbefragung: Ausbildung, Studium oder beides?

5.12.2014

Publikation Forum Hochschule 9/2014

Nach dem Erwerb des Abiturs oder der Fachhochschulreife stehen Schülerinnen und Schülern viele Möglichkeiten der nachschulischen Qualifizierung offen. Welche Bildungswege studienberechtigte Schulabsolvent(inn)en bis zum Berufsbeginn einschlagen, nimmt eine Längsschnittstudie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) in den Blick. Wie das Ergebnis zeigt, beginnt die überwiegende Mehrheit der Studienberechtigten 2008 nach der Schule ein Studium. Oftmals wird noch vor dem Studium eine Ausbildung absolviert.

Viereinhalb Jahre nach dem Schulabschluss haben insgesamt etwa acht von zehn Studienberechtigten des Schulabschlussjahrgangs 2008 ein Studium aufgenommen. Die Mehrheit der Studienberechtigten 2008 (56 %) schlägt bis zur Berufseinmündung den direkten Weg von der Schule zum (ersten) Hochschulabschluss ohne ‚Umweg‘ über eine berufliche Qualifizierung ein. Darüber hinaus können weitere bildungsbiografische Verläufe von der Schule in den Beruf festgestellt werden: So entscheiden sich 13 % der Befragten ebenfalls für einen Hochschulabschluss, haben aber bereits vor oder parallel zur Hochschulreife eine Ausbildung abgeschlossen. Eine ‚Doppelqualifizierung‘, also eine nachschulische Berufsausbildung mit anschließendem Studium, wählen 9 %. Den Weg in den Beruf über eine ausschließliche nachschulische Berufsausbildung ohne Studienabschluss nehmen 16 % der Befragten, 4 % belassen es bei einer bereits vor oder parallel zur Hochschulreife abgeschlossenen Ausbildung und gehen mit dieser unmittelbar nach der Schule in den Beruf über. Zusammengenommen gehen gut vier von zehn Studienberechtigten entweder mit einer ausschließlichen Berufsausbildung oder der Kombination aus Ausbildung und anschließendem Studium in den Beruf über.

Die Umstellung von den traditionellen Studienabschlüssen (Diplom, Magister) auf die neue gestufte Studienstruktur mit den Abschlüssen Bachelor und Master war bei den Studienberechtigten 2008 bereits weitestgehend abgeschlossen. Von den Befragten haben sich 28 % für einen Bachelor an einer Fachhochschule entschieden, wogegen das Fachhochschuldiplom kaum noch eine Rolle spielt (1 %). Mit Blick auf die universitären Abschlüsse zeigt sich ein ähnliches Bild. Während die traditionellen Diplomstudiengänge mit einem Anteil von 2 % kaum noch gewählt wurden, entschieden sich 34 % der Schulabsolvent(inn)en des Schulabschlussjahrgangs 2008 für einen Bachelorstudiengang an einer Universität. Unter den gewählten Studienrichtungen sind Wirtschaftswissenschaften, Maschinenbau und Lehramtsstudiengänge besonders beliebt.

Die Entscheidung über die Art des Hochschulabschlusses wird ein erstes Mal zu Beginn des Studiums getroffen. Durch die gestufte Studienstruktur wurde im Bildungssystem jedoch eine weitere Gelenkstelle implementiert. (Angehenden) Bachelorabsolvent(inn)en stellt sich im nachschulischen Verlauf daher die Frage, ob sie bereits mit dem Bachelor in den Arbeitsmarkt eintreten oder im Rahmen eines weiterführenden Masterstudiengangs ihr Studium fortsetzen. Die Längsschnittuntersuchung des DZHW nimmt den Übergang vom Bachelor zum Master bei den Studienberechtigten 2008 ebenfalls in den Blick und bestätigt das bereits in anderen DZHW-Studien aufgezeigte große Interesse an Masterstudiengängen: Viereinhalb Jahre nach Schulabschluss ist ein gutes Drittel der Studienberechtigten 2008 mit aufgenommenem Bachelorstudium bereits in die Masterstufe übergegangen und ein weiteres Drittel plant diesen Schritt fest ein. Zusammengenommen haben sich demnach 67 % für ein Masterstudium entschieden, wogegen 18 % der (angehenden) Bachelorabsolvent(inn)en bezüglich der Aufnahme eines Masterstudiums noch unsicher sind und 15 % keinen Masterabschluss erwerben wollen.

Insgesamt zeigt sich eine starke berufsorientierte Motivation bei der Entscheidung für ein Masterstudium. Als wichtige Motive für die Entscheidung zugunsten eines Masterstudiums werden etwa ‚bessere Berufschancen‘, ‚persönliche Weiterbildung‘ oder ‚die fachliche/berufliche Neigung‘ genannt. Die Ergebnisse zum Übergang vom Bachelor in den Master verdeutlichen darüber hinaus, dass neben der Hochschulart und der Fächergruppe des Bachelorstudiums weitere Faktoren die Entscheidung für ein Masterstudium beeinflussen. So erhöhen beispielsweise gute objektive Leistungen, hohe subjektive Leistungseinschätzungen und hohe Erwartungen an die Bildungserträge die Übergangswahrscheinlichkeit in ein Masterstudium, wogegen hohe antizipierte Bildungskosten diese mindern.

Methodischer Hintergrund: Die Studie „Bildungsentscheidungen im nachschulischen Verlauf“ basiert auf einer dritten Befragung der Studienberechtigten des Jahres 2008 viereinhalb Jahre nach Schulabschluss, die das DZHW mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) durchgeführt hat. Dieser Befragung gingen eine zweite Befragung ein halbes Jahr nach sowie eine erste Befragung ein halbes Jahr vor Erwerb der Hochschulreife voraus. Befragt wurde eine repräsentative Stichprobe von Personen, die im Schulentlassjahr 2007/2008 an allgemeinbildenden oder beruflichen Schulen die Hochschulreife erworben haben.

Die Studie ist als Forum Hochschule 9/2014 erschienen und zum kostenfreien Download verfügbar.

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