Erst Karriere und dann Kinder? Elternschaft und beruflicher Erfolg bei Hochschulabsolventen

18.12.2013

Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen gründen eine Familie meist erst nach einer Phase der beruflichen Konsolidierung. Doch bei der Aufteilung von Kinderbetreuung und Beruf zwischen den Partnern herrschen dann wieder weitgehend traditionelle Rollenmuster vor. Das zeigt eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW). Befragt wurden mehr als 4.700 Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen des Jahrgangs 2001 zehn Jahre nach ihrem Studienabschluss.

„Zum Zeitpunkt des Studienabschlusses hatten nur wenige Hochschulabsolventinnen und -absolventen des Jahrgangs 2001 bereits Kinder: Etwa sieben Prozent waren damals schon Eltern. Der Anteil der Eltern stieg erst sichtbar an, als die Absolventinnen und Absolventen bereits größtenteils beruflich etabliert waren. Das war in der Regel drei Jahre nach dem Abschluss der Fall. Zehn Jahre nach dem Studienabschluss hatten schließlich 60 Prozent Kinder“, erläutert Projektleiter Kolja Briedis den typischen Verlauf der Familiengründungsphase von Akademikerinnen und Akademikern. Damit liegt der Anteil an Eltern Akademikerinnen und Akademikern zwar immer noch unter dem Durchschnitt der Bundesbevölkerung. Allerdings äußerten rund ein Drittel der Kinderlosen für die nähere Zukunft und weitere sieben Prozent für die spätere Zukunft einen Kinderwunsch. Da das Alter der (noch) kinderlosen Frauen zehn Jahre nach ihrem Studienabschluss in der Studie im Durchschnitt bei rund 37 Jahren lag, wird ein Teil der Kinderlosen den Kinderwunsch noch umsetzen können.

Die Forscherinnen und Forscher des DZHW haben außerdem untersucht, wie sich die Familiengründung bei Hochschulabsolventinnen und -absolventen auf die Berufstätigkeit auswirkt. „Es sind vor allem Frauen, die nach der Geburt eines Kindes die Erwerbstätigkeit unterbrechen. Nur 29 Prozent der Väter, aber 90 Prozent der Mütter haben ihre Beschäftigung nach der Geburt ihres ersten Kindes ruhen lassen“, so Gesche Brandt, die an der Studie mitgewirkt hat. „Allerdings hat die Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007 Wirkung gezeigt. In unserer Studie konnten wir feststellen, dass Väter vor 2007 eher selten in Elternzeit gegangen sind. Damals lag der Anteil bei 13 Prozent. Inzwischen ist er zwar auf 42 Prozent gestiegen, aber die Dauer der Unterbrechung ist immer noch erkennbar kürzer als bei Frauen“. Frauen pausieren nach der Geburt des Kindes im Durchschnitt 17 Monate im Beruf, Männer lediglich vier Monate.

Die meisten Mütter und Väter, die in Elternzeit gegangen sind, sind mit der Dauer ihrer Erwerbsunterbrechung nach der Geburt des (jüngsten) Kindes zufrieden. Nur rund jede siebte Frau wünschte sich eine längere Unterbrechungsdauer und nur etwa zehn Prozent der Mütter hätten lieber kürzer oder gar nicht unterbrochen. Von den Männern hätte immerhin gerne ein Viertel eine längere als die realisierte Elternzeit genommen.

Vor allem längere Erwerbsunterbrechungen mindern den beruflichen Erfolg von Hochschulabsolventinnen mit Kindern. Im Vergleich mit ihren kinderlosen Kommilitoninnen oder Müttern mit kurzen Erwerbsunterbrechungen erzielen sie geringere Einkommen und gelangen seltener in Führungspositionen. Mütter reduzieren häufig den Umfang ihrer Erwerbstätigkeit nach der Familiengründung. Väter arbeiten dagegen zumeist in unverändertem Umfang weiter.

Das DZHW erforscht in regelmäßigen Abständen die Werdegänge von Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen. Die Ergebnisse der Untersuchung des Abschlussjahrgangs 2001 sind in der DZHW-Reihe Forum Hochschule erschienen und können kostenfrei heruntergeladen werden:

Fabian, G., Rehn, T., Brandt, G., & Briedis, K. (2013). Karriere mit Hochschulabschluss? Hochschulabsolventinnen und -absolventen des Prüfungsjahrgangs 2001 zehn Jahre nach dem Studienabschluss (HIS:Forum Hochschule 10/2013).
Hannover: HIS.
ISBN 978-3-86426-032-2

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