Fast eine Million BAföG-Empfänger

24.7.2013

Nach der jüngst veröffentlichten BAföG-Statistik des Statistischen Bundesamtes bezogen im Jahr 2012 979.000 Personen Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG). Die Zahl der BAföG-Empfänger(innen) ist damit im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen (+1,7 %). Rund jede(r) Zweite erhielt den maximalen Förderbetrag. Im Durchschnitt wurden Studierende mit 448 Euro im Monat gefördert.

Unter den 979.000 Geförderten waren nach Angaben der Wiesbadener Statistiker 308.000 Schüler(innen) und 671.000 Studierende. Während die Zahl der geförderten Schüler(innen) im Vergleich zum Jahr 2011 um 3,4 % zurückging, stieg die Zahl der geförderten Studierenden um 4,3 % an.

Rund jede(r) zweite BAföG-Empfänger(in) bezog den maximalen Förderbetrag. Die Zahl der Vollgeförderten ging 2012 im Vergleich zum Vorjahr leicht (-0,2 %) zurück. Die Zahl der Teilgeförderten erhöhte sich um 3,4 %. Im Durchschnitt erhielten geförderte Schüler(innen) monatlich 401 Euro und damit 16 Euro mehr als 2011. Studierende, die BAföG bezogen, wurden mit durchschnittlich 448 Euro im Monat gefördert. Das waren vier Euro weniger als noch 2011. Studierende erhalten die Leistungen je zur Hälfte als zinsloses Darlehen und als Zuschuss des Staates. Schülerinnen und Schülern wird die Förderung als Vollzuschuss gewährt.

Bund und Länder gaben 2012 insgesamt 3.278 Millionen Euro für das BAföG aus. Der Bund trägt 65 % der Kosten, die Länder 35 %. Die Ausgaben von Bund und Ländern stiegen im Vergleich zu 2011 um rund drei Prozent. Für die Schülerförderung wurden 913 Millionen Euro (+3 Millionen Euro) bereitgestellt, für die Förderung von Studierenden 2.365 Millionen Euro (+95 Millionen Euro).

28 % der BAföG-Bezieher(innen) wohnten bei ihren Eltern, 72 % außerhalb des Elternhauses. Drei Prozent der Geförderten erhielten einen Kinderbetreuungszuschlag.

„Die Bundesregierung steht weiter zu der verlässlichen Sicherung der individuellen Ausbildungsfinanzierung mit BAföG, Stipendien und ergänzenden Kreditangeboten“, erklärte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka anlässlich der Präsentation der neuen BAföG-Zahlen. Sie stehe mit den Ländern im Gespräch über die strukturelle Weiterentwicklung des BAföG. „Wir analysieren, an welcher Stelle wir das BAföG so ändern können, dass es noch stärker und flexibler den Bedürfnissen der Adressaten gerecht werden kann. Ich möchte, dass sich das BAföG stärker an der unterschiedlichen Lebenswirklichkeit der Studierenden orientiert. Die einen steigen später ein, andere setzen mal aus, bekommen Kinder, studieren Teilzeit. Darauf müssen Bund und Länder bei der nächsten BAföG-Novelle achten.“

Eine BAföG-Reform unmittelbar nach der Bundestagswahl forderte auch das Deutsche Studentenwerk (DSW). DSW-Präsident Dieter Timmermann bemängelte, dass die Zahl der BAföG-Empfänger(innen) nicht in gleichem Maße gestiegen sei wie die Zahl der Studierenden insgesamt. „Da zudem der durchschnittliche Förderbetrag pro Studierendem im Jahr 2012 wieder zurückgegangen ist, ist jede neue Bundesregierung nun gefordert, rasch eine BAföG-Reform auf den Weg zu bringen und die Bedarfssätze und Freibeträge zu erhöhen. Dies hat der Beirat für Ausbildungsförderung der Bundesregierung ja bereits im Januar 2012 formuliert“, so Timmermann. Das DSW fordert, das BAföG automatisch an die Preis- und Einkommensentwicklung anzupassen.

Der hochschulpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Swen Schulz, warf der Regierung eine „Anti-BAföG-Politik“ vor. Durch das Einfrieren der Einkommensgrenzen sei die Zahl der BAföG-Empfänger(innen) gedrückt worden. Im Haushalt 2013 seien die Mittel für das BAföG gekürzt und auch in der mittelfristigen Finanzplanung bis 2017 seien keine Ressourcen für eine Erhöhung der Freibeträge und Fördersätze eingestellt worden. Bis heute liege dem Bundestag zudem kein Vorschlag der Regierung zu einer Anpassung des BAföG vor. Die bildungspolitische Sprecherin der Linkspartei, Nicole Gohlke, forderte eine sofortige BAföG-Erhöhung um mindestens zehn Prozent sowie eine Ausweitung des Berechtigtenkreises und die Rückkehr zum Vollzuschuss für Studierende. Der freie zusammenschluss von studentInnenschaften (fzs) bemängelte, prozentual erhielten immer weniger Studierende BAföG und sie erhielten darüber hinaus weniger Geld als noch im Vorjahr. Der Staat lasse die Studierenden im Stich. (tm)

Quellen: Destatis, BMBF, DSW, Welt, ZWD

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