Bildung auf einen Blick: Ein Studium zahlt sich weiterhin aus

3.7.2013

Sie ist eine der wichtigsten Publikationen der internationalen Bildungsberichterstattung: Letzte Woche ist die diesjährige Ausgabe der OECD-Studie „Education at a Glance / Bildung auf einen Blick“ erschienen. Auch in diesem Jahr lautet einer der zentralen Befunde: Deutschland bildet zu wenig akademisch qualifizierte Fachkräfte aus. Daneben findet jedoch das deutsche Modell der dualen Berufsausbildung bei der Interpretation der Ergebnisse größere Beachtung als in den Vorjahren. Weiterhin gilt: Ein Studium lohnt sich langfristig – sowohl für den Einzelnen als auch für den Staat. Und: Deutschland hat einen hohen Bedarf an Spitzenqualifikationen.

In der Wirtschaftskrise habe sich ausgezahlt, dass Deutschland großen Wert auf die berufliche Ausbildung lege, sagte OECD-Koordinator Andreas Schleicher bei der Vorstellung von „Bildung auf einen Blick 2013“ in der vergangenen Woche. Deutschland gehöre zu den wenigen Ländern, in denen die Arbeitslosenquote in der Krise nicht gestiegen sei. Besonders erfreulich: Während viele südeuropäische Länder mit einer dramatisch hohen Jugendarbeitslosigkeit zu kämpfen haben, weist Deutschland die EU-weit niedrigste Jugenderwerbslosenquote auf (2012: 8,1 %; EU-Durchschnitt: 22,8 %). Der Anteil der 15- bis 29-Jährigen, die nicht erwerbstätig sind und sich nicht mehr in Ausbildung befinden, hat trotz der Krise weiter abgenommen und liegt 2011 mit 11 % deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 16 %.

Unter Akademikerinnen und Akademikern herrscht weiterhin nahezu Vollbeschäftigung: 2011 waren 2,4 % der Personen mit einem Hochschulabschluss erwerbslos. Im OECD-Durchschnitt waren 4,8 % der Akademiker(innen) von Erwerbslosigkeit betroffen. Auch bei der Erwerbslosenquote von Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung liegt Deutschland mit 5,8 % deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 7,3 %.

86 % der Gesamtbevölkerung verfügten 2011 über mindestens einen höheren Sekundarabschluss. Im OECD-Durchschnitt waren es 75 %. Leicht gesunken ist die Zahl derjenigen, die hierzulande die Schule ohne Abschluss verließen (2010: 6,5 %; 2011: 6,2 %). Weiter gestiegen ist die Studienanfängerquote, und zwar von 42 % (2010) auf 46 % (2011). Deutlich mehr Studienanfänger(innen) entschieden sich zudem für ein MINT-Fach. Dennoch liegt die deutsche Studienanfängerquote weiterhin deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 60 %.

Bei allem Lob über die Rolle der beruflichen Bildung in Deutschland, betonte OECD-Mann Schleicher daher auch, „dass Deutschland bei den Spitzenqualifikationen sowohl im akademischen und beruflichen Bereich weiterhin deutlich unter dem OECD-Mittel liegt, und da ist die Nachfrage im Grunde am größten. Da sehen Sie zum Beispiel die am stärksten wachsenden Gehälter in Deutschland. Also auf der einen Seite große Stärken im beruflichen Bereich, auf der anderen Seite noch deutlicher Nachholbedarf bei den Spitzenqualifikationen.“ Für Schleicher steht fest: „Deutschland könnte noch mehr Top-Talente gebrauchen.“ In einer Hinsicht liegt Deutschland allerdings weit an der Spitze: 2,7 % eines Altersjahrgangs schlossen 2011 erfolgreich eine Promotion ab. Nur in der Schweiz (3,2 %) und in Schweden (2,8 %) waren es mehr.

Die OECD hat ausgerechnet, dass sich ein Studium langfristig finanziell auszahlt – und zwar sowohl für den Einzelnen als auch für den Staat. Ein Mann mit Hochschulabschluss verdient demnach 161 % dessen, was ein Mann verdient, dessen höchste Qualifikation ein Abitur oder Fachabitur ist. Bei den Frauen beträgt die Gehaltsdifferenz 155 %. In Deutschland hat sich der Einkommensvorteil von Hochschulabsolvent(inn)en in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 20 Prozentpunkte gesteigert – für Schleicher ein weiteres Indiz, dass Hochqualifizierte in Deutschland gefragt sind. Der Staat profitiert durch höhere Steuern und Sozialabgaben mit mehr als 100.000 Euro von jedem Studierenden. OECD-weit hat die Krise den Lohnabstand zwischen Hoch- und Niedrigqualifizierten noch weiter vergrößert: 2008 betrug die Differenz 75 %, 2011 ist sie auf 90 % gestiegen.

Deutschland ist weiterhin attraktiv als Zielland für ausländische Studierende. Es ist hinter den USA und dem Vereinigten Königreich in der OECD das drittwichtigste Zielland für ein Auslandsstudium. Der Anteil internationaler Studierender an deutschen Hochschulen liegt mit 7,9 % einen Prozentpunkt über dem OECD-Durchschnitt (6,9 %). Die Zahl der an einer deutschen Hochschule immatrikulierten ausländischen Studierenden stieg zwischen 2000 und 2012 um 50 % auf 281.000. 4,8 % der deutschen Studierenden waren 2011 im Ausland eingeschrieben. OECD-weit waren zwei Prozent der Studierenden im selben Jahr auslandsmobil.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka sagte anlässlich der Veröffentlichung der OECD-Zahlen: „Entscheidend ist, dass wir die jungen Menschen von heute für die anspruchsvollen Arbeitsanforderungen von morgen qualifizieren. Die Zahlen der OECD zeigen: Ein abgeschlossenes Studium oder eine erfolgreiche Ausbildung sind immer noch die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit. Um konkurrenzfähig zu bleiben, setzt Deutschland auch weiterhin auf dieses zweigleisige Bildungssystem.“ Stephan Dorgerloh, Kultusminister von Sachsen-Anhalt und Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK) betonte: „Die Daten belegen den kontinuierlichen Aufwärtstrend des deutschen Bildungssystems im internationalen Vergleich. Durch einen kompetenzorientierten Unterricht und eine gezielte Förderung in der Schule sowie eine umfassende Berufsvorbereitung in enger Zusammenarbeit mit den Unternehmen sind die Leistungen der Jugendlichen erneut besser geworden. Ein erfolgreicher Übergang von der Schule in das Erwerbsleben ist von entscheidender Bedeutung für die gesellschaftliche und berufliche Teilhabe junger Menschen wie auch für die Sicherung des Fachkräftebedarfs in Deutschland.“ Kritik kam aus der Opposition. Der bildungspolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Kai Gehring, rügte eine falsche Prioritätensetzung der Bundesregierung: „Die Zahlen der OECD legen offen, dass Schwarz-Gelb trotz sprudelnder Steuereinnahmen daran gescheitert ist, Bildungsaufstieg zu befördern und die Innovationsfähigkeit Deutschlands zu stärken. Das Geld aus dem 12-Milliarden-Programm für Bildung und Forschung hat die Bundesregierung vielfach in falschen Prioritäten verplempert: Sie investiert in Ladenhüter wie das Deutschlandstipendium oder in die Bildungsfernhalteprämie Betreuungsgeld – anstatt Kita-Qualität, Ganztagsschulen und Hochschulpakt auszubauen. Auch warten kleine und mittlere Unternehmen noch immer vergeblich auf die seit Jahren versprochene steuerliche Forschungsförderung.“ Zwar seien ein gutes Studium oder eine erfolgreiche Ausbildung die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit. Frauen profitierten allerdings immer noch viel zu wenig davon. „Sie verdienen in Deutschland auch mit Hochschulabschluss noch immer 26 Prozent weniger als die vergleichbar qualifizierten Männer.“ (tm)

Quellen: OECD, Spiegel online, dradio, BMBF, Bündnis 90/Die Grünen

Download der Studie Education at a Glance 2013

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