Geschlechtsspezifische Ungleichheiten bei der Vergabe von Fördermitteln stehen seit vielen Jahren auf der wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen Agenda. Die einflussreiche Studie von Wenners und Wold (1997) zeigte, dass weibliche Bewerber 2,5-mal produktiver sein müssen als Männer, bevor ihr Forschungsantrag genauso bewertet wird, wie der ihrer männlichen Kollegen.
Obwohl in den letzten Jahren eine Reihe von Studien zu Geschlechterungleichheiten in der Forschungsförderung veröffentlicht wurden, ist es nach wie vor unklar, ob und in welchem Ausmaß ein Gender Bias bei der Vergabe von Fördermitteln besteht. Dies ist vor allem auf widersprüchliche Ergebnisse zurückzuführen. Mehrere Studien kommen zu dem Schluss, dass es keine signifikanten geschlechtsspezifischen Unterschiede gibt. Andere Studien behaupten, dass männliche Antragsteller gegenüber Frauen bevorzugt werden, und wieder andere sehen eine Bevorzugung von Frauen, insbesondere in den Disziplinen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind. Die widersprüchlichen Ergebnisse hängen mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen, unterschiedlichen empirischen Daten und der Berücksichtigung verschiedener Aspekte des Antragsprozesses zusammen. Da wettbewerbliche Forschungsmittel eine immer wichtigere Rolle für die wissenschaftliche Karriere spielen, stellt sich zudem die Frage, inwieweit ein potenzieller Gender-Bias in der Forschungsförderung sich auf die Karrierechancen von Frauen und Männern auswirkt.
Das Projekt zielt darauf ab, der Komplexität des Forschungsgegenstands durch einen Mixed-Methods-Ansatz (Interviews, Dokumentenanalysen, Online-Surveys und Bibliometrie) gerecht zu werden und internationale Forschungsförderer und deren Auswahlprozesse vergleichend zu untersuchen. Zudem erforscht das Projekt die geschlechtsspezifischen Auswirkungen der Förderentscheidungen auf die weitere akademische Karriere.
Das DZHW ist Teil eines Konsortiums von Institutionen aus fünf verschiedenen europäischen Ländern:
- JOANNEUM RESEARCH, POLICIES – Institute of Economic and Innovation Research / Research group for Technology, Innovation and Policy Consulting (Koordinator, Österreich),
- Orebro University - School of Humanities, Education and Social Sciences (Schweden),
- CSIC - Agencia Estatal Consejo Superior de Investigaciones Cientificas – Institute of Public Goods and Policies (Spanien),
- Teresa Mom Consultancy BV (Niederlande),
- Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) (Deutschland).
Das Projekt GRANteD wird aus dem Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Union „Horizon 2020“ gefördert (Grant Agreement Nr. 824574).