Ausdifferenzierung der Professur

Projektbeginn: 01.06.2017 - Projektende: 31.12.2017

Die Professur als archetypisches Element hochschulischer Bildungseinrichtungen hat den Charak-ter einer kleinen Institution, d.h. eines historisch langlebigen, unhinterfragten Rollen- und Struk-turmusters. Diese Institution wird als Stelle in der Organisation Hochschule verankert; in Deutschland stellt die Professur den wichtigsten Stellentypus im Hochschulsystem dar.

Allerdings gibt es Anzeichen dafür, dass sich die über lange Zeiträume relativ homogene Stel-le seit etwa anderthalb Jahrzehnten ausdifferenziert und neue Strukturmerkmale entwickelt: Zwischen den Ländern und Hochschulen zeigen sich Unterschiede in der Höhe der W-Besoldung und hinsichtlich der Arbeitsbedingungen von Professorinnen und Professoren (z.B. Aufgabenport-folio, Ausstattung, Professuren auf Probe oder auf Zeit). Forschungs-, Lehr-, Junior- und Qualifika-tionsprofessuren (letztere in Hessen) haben Eingang in die Landeshochschulgesetze gefunden. An Fachhochschulen werden Nachwuchsprofessuren (z.B. NRW) eingerichtet, in einigen Ländern findet man Seniorprofessuren (z.B. in Bayern, Hessen, Niedersachsen). Eine ganze Reihe von Bund-Länder-Programmen unterstützten die Schaffung neuer Professuren und/oder die Beset-zung von Professuren in Abhängigkeit von speziellen Merkmalen, so etwa die Exzellenzinitiative, das Professorinnenprogramm und das Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nach-wuchses, über das 1.000 Tenure Track-Professuren an Universitäten eingerichtet werden sollen. Darüber hinaus gibt es Stiftungsprofessuren, gemeinsame Berufungen zwischen Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie Shared Professorships, bei denen die Personen zugleich an einer Hochschule und in einem Unternehmen beschäftigt sind (z.B. in Ba-den-Württemberg). Mit Blick auf die Denomination ist ein Bedeutungszuwachs interdisziplinär angelegter Professuren festzustellen; daneben wurden Open Topic-Verfahren (Stellenausschrei-bungen ohne fixierte Denomination, z.B. an der TU Dresden) implementiert.

Bislang ist jedoch nur partiell erforscht, worauf diese angenommene Ausdifferenzierung zu-rückzuführen ist und wie sie sich zu den hochschulrechtlichen Grundlagen im Zeitverlauf verhält. Offen ist auch, welche tatsächlich strukturell neuen Stellentypen sich herausbilden und welche Konsequenzen diese Entwicklung hat. Forschungsfragen, die sich in diesem Zusammenhang stel-len, betreffen also

  • die strukturelle Dimension: Welche Formen und welches Ausmaß der Ausdifferenzierung der Professur an staatlichen Universitäten und Fachhochschulen bzw. Hochschulen für ange-wandte Wissenschaften in Deutschland sind zu beobachten? Welche besonderen (Struktur-)Merkmale weisen die neuen Typen von Professuren auf? Wie können die Stellenvarianten systematisiert oder typisiert werden?
  • die Ursachendimension: Haben sich die hochschulrechtlichen Rahmenbedingungen für den Stellentypus im Zeitverlauf gewandelt – und wenn ja: in welcher Hinsicht und in welchem Ausmaß? Welche gesamtgesellschaftlichen (z.B. Geschlechtergerechtigkeit, Ubiquität von Wettbewerb), teilsystemischen (z.B. Interdisziplinarität, Exzellenzdiskurs) oder hochschulspe-zifischen (z.B. Profilbildung) Faktoren schlagen sich bei einer Ausdifferenzierung gegebenen-falls nieder? Welchen Einfluss haben möglicherweise auch die Entwicklungsdynamiken in verschiedenen wissenschaftlichen Fächern und interdisziplinären Kontexten? Oder handelt es sich bei der Ausdifferenzierung um ein vor allem diskursives Phänomen?
  • die Wirkungsdimension: Wie wirkt sich die (faktische oder diskursive) Ausdifferenzierung auf Erwartungen an die Professur, auf die personelle, sächliche und monetäre Ausstattung, die Aufgabenwahrnehmung (Forschung, Lehre, Third Mission) und das Leistungsverständnis, die organisationale Einbindung und den Autonomiegrad, die Kooperationsmöglichkeiten und das Ansehen der Professur aus?

Das grundsätzliche Forschungsvorhaben ist also auf eine vergleichende Analyse von Struktur-merkmalen, Ursachen und (kulturellen) Wirkungen der Ausdifferenzierung ausgewählter Varian-ten des Stellentyps Professur an den staatlichen deutschen Universitäten und Fachhochschulen ausgerichtet.

Ziele des hier beschriebenen Projekts sind in diesem Kontext zum einen die Erarbeitung und Einreichung eines Antrags auf Förderung eines mehrjährigen Projekts zum Thema und zum ande-ren die Veröffentlichung eines konzeptionellen Zeitschriftenartikels mit Peer Review.

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Vorträge

Die Binnendifferenzierung der Professur als Herausforderung für das Hochschulmanagement.

In der Smitten, S., & Sembritzki, T. (2018, Februar).
Die Binnendifferenzierung der Professur als Herausforderung für das Hochschulmanagement. Vortrag auf dem 20. Workshop Hochschulmanagement des Verbands der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB), Universität Duisburg-Essen.

Projektmitarbeit

PD Dr. Bernd Kleimann Thorben Sembritzki

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Daniel Matthes
Daniel Matthes 0511 450670-532
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